|
|
Tagebuch 20.07. - 30.10.2009
- 30.10.09 DER BOGEN. Gestern Öffnungszeit der Meilchen-Werkschau, auch Besucher da, gute Gespräche, irgendwann kommt dann die Frage, wo liegt eigentlich meine Maske in der Ruhr? Liegt noch nicht? …warum denn? Immer wieder die einfache Erklärung: Momentan ist es zu kalt um für einige Stunden in die Ruhr zu steigen, mir jedenfalls, auch mit Neoprenanzügen macht das nach einer dreiviertel Stunde einfach keine Freude, die Kälte zieht von unten hoch, langsam und irgendwann fühlt man die Zehen ,als gehörten sie jemand anderem. Wie es weitergehen soll? In den Wintermonaten werden erst einmal die weiteren Masken gegossen, in Beton, natürlich hält der unter Wasser, außerdem haben sich noch einige Leute angemeldet, deren Masken wir noch nehmen werden. Da ist zum Beispiel die Feuerwehr Neheim…
- Der Schock in der Nachmittagsstunde: Alle Masken in Arnsberg sind geklaut worden. So ein entsetzter Telefonanruf, werde wohl morgen selbst nach den Rechten schauen, glaube nicht, dass jemand die ganze Arbeit zunichte macht, reicht doch schon, wenn von Zeit zu Zeit die Seiten angegriffen werden. Normalerweise ist es recht schwierig die Masken überhaupt noch zu entdecken, denn sie haben sich der Umgebung mimikrihaft angepasst, als hätten sie sich zu verstecken. Aber ein guter Wächter muss eben nicht selber gesehen werden.
- 06.10.09 Arnsberg an der Fußgängerbrücke Eichholzrealschule. Zu sagen, dass das Wasser in dieser Jahreszeit noch relativ mild sei, ist solange als richtig einzuschätzen, als man selber nicht darin steht oder sich hammerschwingend bewegt. Glücklicherweise hatte der liebe Yannik Rossmann einige Neoprenanzüge zur Verfügung gestellt. Wer sich einmal daran gewöhnt hat, der will gar nicht mehr raus aus der noch ziemlich flachen Ruhrflut, aus den warmen Gummiteilen. Steffi, Manuel und Haimo zog es mal wieder nach Arnsberg-Altstadt, die renaturierte Flusslandschaft ist einfach wunderbar. Zwischen den Steinen und Algen schwimmen unsere kleinen Freunde (Ausruf aus dem Off: Oh, wie kitschig!) und sind manchmal zu neugierig, dann wird es gefährlich. Da also haben die drei wieder mal ihr Tagwerk verrichtet, haben die Stahlstangen mit kräftigen Schlägen in den Boden gerammt, die Betongesichter befestigt und…sind ganz schön nass geworden. Nach zehn Verortungen begann es dann so zu gießen, dass sie nicht nur von unten, sondern auch von oben ziemlich nass wurden. So konnte es nicht weitergehen, man ist schließlich Weichei und aus Zucker, also erst einmal Abbruch für heute. Entschuldigung an Frau Blume: Den Kopf haben sie sich für später aufgehoben. Also bis zum nächsten Mal. Heute verortet: 76, 92, 100, 96, 91, 85, 77, 149, 71, 80.
- 28.09.09 BOGEN….mal wieder an einem Montag Abend, die große Wahl ist gelaufen, man kann sich wieder den normalen Themen der Weltgeschichte zuwenden, kann die eigenen Projekte wieder angehen, ohne die ständigen politischen Diskussionen. Egal wie es gelaufen ist. Da erreicht mich abends eine Mail von Steffi: Ach ja, da kommen heute Abend übrigens noch ein paar Leute zum Maskenmachen vorbei…und dann erscheint man selber gut anderthalb Stunden zu spät: Hallo, wir sind schon fertig, fünf glückliche Gesichter mit Fettspuren auf glänzend geröteter Haut.
- Steffi denkt noch, vielleicht tut sie auch nur so…aber jetzt; sie weiß nichts, Manuel kann kaum an sich halten: ein starrer Blick in den Raum, vielleicht denkt er ja gerade darüber nach, dass ihm die Augen jucken, hat er etwa eine Gipsallergie? Oder liegt es vielmehr an den vierzig frisch gestrichenen Theaterstühlen? Damit die Leute schön gemütlich sitzen, ohne Angst dreckig zu werden. Außerdem will er gar nicht lesen und ihm ist es einfach egal, was ich schreibe.
- Allgemeine Erschöpfung hat sich breit gemacht. Ob man noch irgendwo ein Bierchen trinken geht?
- Das Schlimmste ist, dass am Wochenende die Ausstellung von Kwang Sung Park dem Ende zu geht. Werde die Bilder vermissen…
- Bevor ich es vergesse, am nächsten Dienstag, das ist dann wohl der 06.10.09 werden wir mal wieder einige Köpfe in der Ruhr verorten. Alle Mitmachen-Wollenden sind dazu gerne eingeladen. Wir treffen uns dazu gegen 15 Uhr am BOGEN. Ziel ist mal wieder die Kulturhauptstadt Alt- Arnsberg. Mal sehen, welche Brücke noch frei ist. Vorschläge nehmen wir natürlich wieder gerne entgegen. Folgende Teilnehmer werden dann zu Hauptakteuren werden: 95, 93, 79, 91, 149, 71, 92, 76, 72, 100, 77, 96, 152, 80, 75, 99, 94, 73, 98, 78, 150 und wahrscheinlich auch noch mehr. Bitte wasserfeste Kleidung mitbringen, es wird kalt…
- 21.09.09 BOGEN. Nachdem beim Donatorenmahl wieder einige Interessenten vorstellig wurden, so die Neheimer Tafel, die Fleischerei Veh und ein noch nicht zu nennendes Event, kamen heute abend drei neue Wächter hinzu, die genügend Geduld aufbrachten. Manchmal geht eben alles nicht so schnell wie geplant. Herzlichen Dank an die Familie Bozdag, ohne ein böses Wort warteten sie stundenlang.
- Ein neuer Stern am Schauspielhimmel ist uns desweiteren erschienen. Lieber Bennet (191), viel Erfolg mit deinem Studium in Hamburg.
- 17.09.09 BOGEN. Kommt doch heute endlich die höhenverstellbare Tribüne in den BOGEN. …aber wenn alle mithelfen, kriegen wir sie schon aufgebaut.
- 16.09.09 BOGEN. Eigentlich hatten wir damit gerechnet, dass so um die zehn Leute kommen, kamen auch, aber nicht um sich Masken abnehmen zu lassen, sondern um uns zu besuchen. Immerhin vier neue Ruhrwächter konnten wir begrüßen. Die Gipser haben wieder mal alles gegeben, Kaffee, Wein und gute Laune. Dafür haben sie nette Gespräche bekommen und neue Gesichter mit ihren Geschichten kennen gelernt. Das hat Wert.
- Manuel hat den neuen Film “stimmen” fertig geschnitten, endlich. Würde sagen, das ist richtig gut. Auch das Publikum der heutigen Premiere hat es so gesehen. Da kann man mal mit recht stolz drauf sein. Auch nobudget- Filme sind also heute noch realisierbar. Schade, dass er das Teil nicht für das Netz freigibt…andererseits wäre es schade drum.
- 14.09.09 BOGEN. Viele Anrufe wegen der Ruhrwächter und auch auf der Straße wird man angesprochen, dabei wollte man doch eigentlich nur ein paar Kalorien auf den Geräten im Studio verbrennen. Also nochmal für alle, die es nicht wissen: Mittwoch ab 20.00 Uhr werden wir im BOGEN wieder Gipsmasken abnehmen. Natürlich sind auch die bei diesem Projekt so raren Hüstener und nicht vorhandenen Müscheder herzlich eingeladen. Kleiner Tipp: Da ist auch die Kirmes vorbei.
- BOGEN. Und da war noch der Mann, der sich einfach im Stockwerk vertan hatte, plötzlich im Ausstellungsraum steht und den Unterkiefer ob der bilder von Kwang Sung Park nicht mehr hoch kriegt. Sachen gibt´s.
- 13.09.09 BOGEN. Zugegeben, das ist nicht fein, sich tagelang nicht um das Tagebuch zu kümmern, aber… Gestern also mal wieder ein paar Arbeiten am Ruhrwaechter-Projekt. Manuel, Anja und Haimo haben Masken gegossen, gleich 21 Stück. Das ist neuer Tagesrekord, gut man könnte sicherlich auch hundert an einem Tag schaffen, aber dann wäre es, wie Georg Tokarz einmal treffend ausdrückte, “reines Brezelbacken”. Weiterhin sollte neben der eigentlichen Idee auch die Freude am Werk im Vordergrund stehen.
- Den ganzen Tag über im Bogen viele Besucher gehabt, die Mischung aus ungewöhnlicher Ausstellung und der Ruhrwächter- Geschichte scheint zu reizen. An dieser Stelle sei einmal Heiner Lieberum genannt, der mit seiner Frau erschien. Ein spannendes Gespräch über die persönliche Beziehung zur Ruhr, hat er doch darin schwimmen gelernt, dort besondere Erlebnisse an der Twietebrücke. Er macht Fotos von den Ruhrwächtern, regelmäßig, sieht die raschen Veränderungen durch Algenbewuchs, steht auch schon mal mit dem Stativ und Kamera in der Ruhr. Habe ihn eingeladen seine Dokumentationen bei uns einzustellen, eine weitere sinnvolle Ergänzung zum Gesamtbild.
- 08.09.09 Arnsberg. Heute wollen wir wieder einige Masken verorten. So gegen 16.00 Uhr werden wir in Arnsberg auf- und die Gestelle einschlagen. Wer dazu kommen möchte, ist herzlich eingeladen. Dazu werden flussaufwärts von der Bazillenbrücke beide Brücken bestückt. Der Name fällt mir gerade nicht ein.
- Wir waren an der Klosterbrücke und haben den hunderten von Kleinfischen sieben Verortungsstellen abgetrotzt und vorher den Zeitgenossen Steinbeißern und Kaulköpfen, den Forellen und Libellen immerhin zehn Stellen an der Marienbrücke entrungen. Natürlich nur für kurze Zeit, spätestens als wir auf der Brück die Wirkung betrachten wollten, hatten die kleinen Flossenträger ihre Standorte zurück erobert. Sogar Manuel wagte sich trotz seiner großen Abneigung gegen alle Wasserpflanzen in die herrlich kühlen Fluten und hatte sogar Spaß daran. Nur das Einschlagen der Gestelle hat ihn wohl ziemlich gestresst, hatte er doch die Befürchtung, dass Haimo das Falsche trifft.
- Das Beste: die Neue Arbeit Arnsberg (NAA) möchte mit einigen Mitgliedern ebenfalls Ruhrwächterposten beziehen. Und das ist gut so. wir werden kommen und Masken nehmen, versprochen.
- 02.09.09 Neheim. Da steckt ein dicker Umschlag im Briefkasten, hm, fühlt sich weich an, was kann das denn wohl sein? Nein, die sind wirklich so schnell? Ja, mein erstes T-shirt mit “ruhrwächter” - Aufdruck. Mir gefällt es. Macht doch auch mal Spaß. —auf einer beiliegenden Karte sehe ich, dass jemand Peter Meilchens Idee von “Schland” übernommen hat und nebst einer Flagge auf Shirts drucken lässt. Wenn Ideen in der Luft liegen, wird immer irgendwann irgendjemand diese Ideen abgreifen und für sich zu nutzen wissen. Sachen gibt´s…
- BOGEN. Neue Gäste im bei uns; die Figurentheater “GRUPPE K” aus Stuttgart hat Einzug in den BOGEN genommen, für einen Monat werden sie unser Atelierleben eben bereichern, ich freu mich drauf. Und wenn dann am Sonntag, dem 4.10.09 auch noch ein Theaterstück gezeigt wird, ist die Sache perfekt.
- Da wird man angesprochen, wann denn nun “endlich” die nächsten Masken in die Ruhr kommen und vor allem wo. Erst mal werden wir am Sonntag die Kwangsung Park- Ausstellung eröffnen, dann geht es nächste Woche auch mit den Ruhrwächtern weiter, wir haben ja noch gut zehn Monate Zeit…
- 30.08.09 BOGEN. Gerd hat gearbeitet die letzten Wochen, ohne Unterlass und manchmal ist es mir schon fast peinlich, dass ich immer nur so kurz dabei sein kann. Das Problem ist aber, dass jedesmal, wenn ich vor dem Bildschirm sitze, die andere Arbeit zu kurz kommt (Die Masken müssen einfach gegossen werden und das ist ein Knochenjob). Immerhin lernt man jedesmal was Neues. Wenn ich dieses belustigt zwinkernde Gesicht unseres Oberhackers sehe, weiß ich, da geht was.
- Einmal der Erste sein. Gestern gschafft, habe das erste ruhrwächter-Shirt bestellt… Und: Nein lieber unbekannter Schreiber, der Bogen macht jetzt keinen auf Mode.
- 27.08.09 Düsseldorf. Bisher waren mir nur zwei Formen der Anerkennung bekannt, die erste sagt “Großartig” und meint es auch so, die zweite macht alles schlecht und nennt sich Neid. Erstes und zweites schon mehrfach erfahren, jetzt aber kommt die dritte Form der Anerkennung: Zerstörung oder zumindest der Versuch. Wenn schon von außen versucht wird unsere Seiten lahm zu legen, dann zeigt dies doch zumindest eines; die Gedankenspielchen dieser netten Spezies der Mitbürger: “Ihr macht etwas Besonderes und das schaffen wir selber nicht. Also machen wir es eben wieder kaputt.” Ich kann nur sagen: DANKE SCHÖN. Besseres Lob gibt es nicht.
- Gestern mit 40.000 anderen Menschen bei coldplay. So viele Menschen hätte ich auch gerne bei den Ruhrwächtern.
- 26.08.09 Neheim. Draußen stimmt das Wetter. Eigentlich sollten wir gleich mal an die Ruhr fahren, eigentlich könnten wieder einige Wächter verortet werden. Vielleicht lassen sich heute Abend einige Leute überreden nach Arnsberg zu fahren? Was machen wir denn eigentlich mit dem Kopf, bei dem die Nase im Gips hängen blieb? Ein ganz pragmatischer Besucher meinte trocken: “Die Nasen brechen doch sowieso beim nächsten Hochwasser als erste ab.”
- Kinder im BOGEN sind immer ein Highlight, da werden Fragen gestellt, die auch die Erwachsenen gerne beantwortet hätten, die man aber nie stellen würde, denn das wäre zu peinlich, denke ich. Die wichtigste frage: “wann werden wir denn versenkt?” Klar, dass unsere Wortwahl von Verortung da nicht so angenommen wird, kindermund tut Wahrheit kund.
- Plötzlich eine Nachricht aus dem Off: Der Verortungsfilm ist fertig, danke Christopher.
- Frage: Wer möchte gerne Filmmodell für einen Schnellgipsfilm von Christopher Bröker werden? Oder sollen es besser gleich mehrere Modelle sein? …vielleicht der erste Schritt zum Filmstar… bin auf die Meldungen gespannt.
- 23.08.09 BOGEN. Nicht alles kann so kommen, wie geplant. Aber immerhin kamen gestern weitere sechs Leute zur Maskenabnahme. Zunächst leicht angespannt, dann auf der Liege entspannt und zum Schluss ein wenig glücklich. Nein, meine Freundin, die Fledermaus, kam nicht. Der Lohn einer gewonnenen Wette auch nicht. Und als wir nach getaner Arbeit gerade losfahren wollen und schon auf dem Parkplatz stehen, kommt doch glatt noch ein schon aus der Pelle (Gips) geholter Ruhrwächter mit netter Begleitung um die fertige Skulptur zu betrachten. Zum ersten Mal im BOGEN und dann nachts. Sachen gibt´s.
- Da sind wohl einige Mitarbeiter einer Chemiefirma in Bruchhausen an der Ruhr und Perstorp/Schweden auf uns aufmerksam geworden. Schöne Grüße nach Schweden, ja, wir würden euch gerne besuchen im Norden, wenn ihr uns einladet, können wir die Ruhrwächter auch nach Schweden bringen. Vielleicht als Fjordwächter. Einzuplanen, unterzubringen und zu verpflegen wäre ein Team von rund 10 Leuten. Wir brauchten ca. 800 Gipsbinden und literweise Vaseline vor Ort, so ca. 50 Plastikeimer, halb gefüllt mit Sand, mehrere Liegen, einen Internetzugang und Beton in Hülle und Fülle. Für das Untergestänge schicken wir den Bauplan gerne zu. Wäre doch schön, wenn die Idee eines weltumspannenden Kunstwerks in Fahrt kommen würde.
- 22.08.09 BOGEN. Schon wieder Besuch von meiner kleinen fliegenden Freundin, sie kreist um mich und scheint fast schon zahm oder erschöpft. Unglaubliche Flugleistung auf kleinstem Raum unter Tischen manövrieren zu können. Nach dem Öffnen einer Tür verzieht sich die Fledermaus schnell ins Freie.
- Beton fertigmachen, die Masken ausfetten und schon sind die nächsten fertig. So geht das bis gerade eben. Dreizehn Stück heute, mit den vorigen aus letzter Woche schon 27, also insgesamt weit mehr als ein Zehntel der geplanten 200, fertig. Hinsetzen und einen Schluck trinken – Mineralwasser. Reicht schon, wenn man draußen den Schützenfestlern begegnet, da muss man mit dem Fahrrad ausweichen können.
- Bin gespannt auf die T-Shirts mit dem Aufdruck ruhrwächter.
- Hatte da noch eine Wette laufen zum Thema Kakophonie, hier der Beweis aus wikipedia: Der Begriff Kakophonie bzw. Kakofonie (v. griech. κακός (kakós): schlecht, φωνή (phōné): Laut, Ton, Stimme) bezeichnet in der Musik und Literatur Laute und Geräusche, die besonders hart, unangenehm oder unästhetisch klingen. Das Gegenteil ist die Euphonie. — Bin gespannt, ob ich dafür wirklich heute Abend um 20.00 Uhr die Maske bekomme.
- 21.08.09 BOGEN. Die Luft pfeift durch die Ritzen, ein Schatten tanzt im Raum, während die Gipsmasken geordnet werden. Donnerstag kurz vor dem Unwetter fliegt tatsächlich eine große Fledermaus im Ausstellungsraum ihre Runden, schalte das Licht ein, sie fliegt in Kahos´Atelier weiter, ob sie den Ausgang vergessen hat? Wohl durch eines der kleinen Fenster hereingekommen. Schalte das Licht also wieder aus, öffne die Feuertüre, bald ist der Spuk vorbei, hatte doch tatsächlich eine Gänsehaut, nicht aus Angst, sondern dass solch ein Naturschauspiel heute noch möglich ist. Also Masken weiter sortieren und sehen, ob die Archivierung funktioniert. Muss feststellen: Wo so viele Leute gleichzeitig arbeiten, da werden auch schon einmal die Nummern doppelt vergeben. Muss geordnet werden, wir sind einfach keine Verwaltungsbeamten. Also bitte nicht sauer sein, wenn der eigene Name in der Wächterliste noch fehlt: Wird nachgereicht. Hatte der Schreiber eigentlich schon erwähnt, dass am Samstag um 20.00Uhr Masken genommen werden und zwar im BOGEN?
- 20.08.09 KAHOS. In der Woche Kunstsommer. Der BOGEN eingeladen für diese Aktion. Die Menschen kommen. Stehen an. Warten. Viele wollen Verbindungsglied in Gedanken sein, mit den Menschen, die an der Ruhr wohnen. Schließlich sollen die “Ruhrwächter” eins erreichen: Wir sind alle eine Einheit und denken zusammen.
Kein Kirchturmdenken.
Ein Zehnjähriger: “Ich will Ruhrwächter werden!” Was hat er gedacht, vor dieser Entscheidung? Nicht Supermann, nicht Batman. Nein “Ruhrwächter”. Er ist tapfer. Ein leichtes Zittern am ganzen Körper, unter der Gipsmaske. Das Herz schlägt hoch. Er hält durch und ist stolz mit dem Ergebnis. Zustimmung von den Menschen die da stehen überall. Die Presse kommt. Fotos. Ja. Nicht in der Zeitung. Wir erscheinen nicht mit einem Kunstsommer-Artikel. Auch im Kunstsommer-Film im Netz: kein Wort, kein Bild. Nur unsere eigene Werbung macht die Menschen aufmerksam. Thea und Achim Benke gott sei dank in der Zeitung. Gerd Pater im Web. Sponsoren- u. Dozentenfest (dazu gehören wir auch) keine Einladung. Später die Entschuldigung. Ist O.K.. War übersehen worden.
Wir existieren nicht irgendwo, hier eben. Der Service ist supergut. Das Zelt wird aufgebaut. Jeden Morgen. Freundliche Verwaltung. Die nehmen das ernst. Wir, der BOGEN, sind wir. Wir lassen uns nicht entmutigen. Trotz mancher vermuteter Seilschaften, die andere Form der Betonköpfe.
- Undinen wollen Liebe, wenn sie aus dem Wasser kommen. Wollen Seele. Das wollen wir auch. Ruhr rauf, Ruhr runter. Wir geben uns Mühe.
- 19.08.09 BOGEN. Gerade kommt Tristan mit leuchtenden Augen herein, die Woche in Arnsberg, ein Erlebnis. Am Samstag Abend um 20 Uhr wird er auch wieder dabei sein: Gipsmasken nehmen. Ruhrwächter machen glücklich. “Es kann weiter gehen.”
- 17.08.09 Neheim. Arbeiten, einfach so, war angedacht und dann schaut man ins Postfach und weiß, dass ist noch lange nicht zu Ende gebracht. Das wird auch die nächsten Wochen nicht beendet sein. Das Projekt ist angelegt auf ein Jahr und die Leute wissen das auch, dementsprechend die Anfragen, ob sie noch teilnehmen können. Ja, gerne, wir freuen uns. Wie es aussieht werden wir am Samstag eine Möglichkeit der Maskenabnahme im Bogen einrichten. So ab acht, wenn denn nichts dazwischen kommt. Ganz locker, mit einem Gläschen Wein oder Mineralwasser.
- Nach zwei Wochen Dauereinsatz fordern auch die Familien ein wenig Zeit. “Du – Papa – so richtig häufig bist du auch nicht zu Hause…” Wenn die Kinder anfange dich zu siezen, dann ist es soweit. Aber: Ja, Ruhrwächter geht weiter.
- 16.08.09 Neheim/Arnsberg. Nachtrag zum 13.08.09, gerade im Notizheft gefunden und bitte nicht zu bierernst zu nehmen.
- Selbstversuch: alleine auf dem Neumarkt stehen, mit dem Auto natürlich, ein Poller ist gezogen. Die anderen fahren darum herum und gucken, da steht ja einer mit einem Auto, manchmal verwundert, einige grüßen, sogar die Polizei hält kurz an und… lächelt. Drei Beamte mit guter Laune. Was könnte man aus diesem Platz nicht alles machen. Eines fehlt ihm an den meisten Tagen im Jahr: Leben
- Manchmal könnte Neid aufkommen, hier stehen auf 200 Meter Straßenfront mehr historische Häuser als in ganz Neheim! Und dann begreift man plötzlich: Hey, das gehört zusammen. Hier die Idylle, die Geschichte, die Ruhe, dort die Gegenwart, die Geschäftigkeit – und doch eins. Eben diese Gedanken waren es doch dieses Projekt zu starten. Ist schon komisch, wir alle sind irgendwie stolz auf unseren Möhnesee, unseren Sorpesee und gerade die gehören zu anderen Gemeinden. Und dann immer wieder dieses alberne Gezänk unter den Arnsberger Stadtteilen.
- Mit einem sind die Arnsberger wirklich gesegnet: Ruhe – wenn nicht gerade ein Haus am Neumarkt abgerissen wird. Endlich ein Besuchermagnet. Endlich kann man das Krankenhaus vom Neumarkt aus sehen, toller Blick. Vorschlag von einem, der das aus der eigenen Ortschaft so oder ähnlich kennt, siehe Apothekerstraße: Reißt doch die restlichen Häuser um den Neumarkt auch ab und baut ein idyllisches Panoramahotel, für diesen Blick würde jeder zahlen.
- Da fährt auch schon Herr Steinberg vorbei, grüßend, lächelnd, wissend. Eben ein Wächter der Ruhr. Hätte ihm gestern noch gerne zugehört, wenn nicht so viele gewartet hätten. Im Rahmen der Ruhrwächter müssten wirklich gerade die persönlichen Geschichten mit der Ruhr archiviert und dokumentiert werden, als lebendiges Geschichtsbuch, aber ich wiederhole mich. Was verbindest du mit der Ruhr? Hast du die ersten Spaziergänge mit der großen Liebe dort gemacht……
- 15.08.09 Arnsberg/ Neheim. Großes Kompliment an die Kunstsommer-Macher um Peter Kleine aus dem Kulturbüro. Sie haben eine wunderbare, atmosphärich dichte Woche gezaubert, viele gut gelaunte und gesprächsbereite Künstler und Kursleiter, viele tolle Gäste. Arnsbergs Kunstsommer ist eine feste Größe, daran sollte bitte keiner rütteln. Die Ideen weiterentwickeln muss hier die Devise sein. MitSpiel und Leichtigkeit.
- Heute gegen 16.00Uhr die abschließende Verortung an der Bazillenbrücke in Arnsberg, einige Zuschauer, viele Fotografen, sogar unter Wasser konnten Filmchen gedreht werden, Dieter Meth machts möglich, sicherlich bald hier zu sehen. Da sagt ein anderer Filmer:”Das könnte man direkt bei der Dokumenta einreichen…” Und später in der Stadt meinen einige Entgegenkommende:” Bis morgen nachmittag, wir wollen zusehen, wenn die Köpfe ins Wasser kommen.” …so missverständlich können Zeitungsartikel sein, Sachen gibt`s.
- Gestern in Arnsberg und Neheim mit zwei Teams unterwegs und die 170er Marke geknackt. Geht doch, die Arnsberger haben verstanden, dass es nur gemeinsam geht. Viele Fragen und Gespräche, wie die ganze Woche über. Auch anfängliche Kritiker wollen plötzlich dabei sein, kleine Vorbehalte bleiben natürlich, auch das ist gut. Allerdings mussten wir in Neheim früher aufhören, der Ruf von Peter Fox war auch an den Ruhrwächtern nicht ungehört vorübergegangen: Lob den Veranstaltern, tolles Konzert, die Bauch bibberte nur so vor “good vibrations”, da kann man auch mal einen Tag ohne Sport auskommen.
- Heute morgen alle wieder da. Die Bazillenbrücke wird zum ersten Verortungspunkt. Dank RWE ist auch ein Akkubohrer vorhanden, die Arbeit geht leicht von der Hand. Nur das Befestigen will nicht so recht gelingen. Glücklicherweise hat Steffi geschickte Hände und in Sekunden kann sie jeweils die Splinte versenken. Die ersten fünf Masken sind verortet. Ein Glas Prosecco. Menschen sammeln sich auf der Brücke. Fotoapparate klicken. Nach der fünften Maske nimmt Haimo ein Vollbad in der Ruhr. Ist wohl angenehm, zufriedenes Grinsen. Heute nachmittag ab 16.00 wird der erste Abschnitt des Kunstwerks beendet werden.
- 13.08.09 Arnsberg. Dann irgendwann schlägt sich eine gewisse Erschöpfung durch, zeigt die Grenzen des zu Boden Hockens auf und doch muss es irgendwie weiter gehen. Plötzlich tauchen die freundlichen Mitarbeiter des Kulturbüros auf und bringen einen mannslangen groben Holztisch. Perfekt. Besser geht es wirklich nicht, die richtige Arbeitshöhe. Schnell noch ein paar Decken organisiert und schon kann es los gehen. Geht es morgens noch recht beschaulich zu mit vier Masken pro Stunde, so haben sich nachmittags so viele zukünftige Ruhrwächter vorgenommen endlich dranzukommen, dass sogar kribbelige Situationen entstehen. Dann fällt auch noch ein Kind zu Boden, während die Freundin unter der Maske liegt, eine gewisse Nervosität macht sich breit. Auch jetzt wieder, in der richtigen Situation eben, bringt ein netter Arnsberger ein Tablett mit Kaffee aus dem Compania Cafe´, welch ein Genuss. Sehr empfehlenswert das Essen oberhalb des Wunderbaums, gestern: Gemüse aus dem Wok.
- 12.08.09 Arnsberg/ BOGEN.Naja, zunächst wollen sich morgens nur drei Leute die Maske abnahmen lassen und man hat schon die Befürchtung, dass gar keiner mehr kommt, also zu Mittagstisch. Die Gruppe trennt sich, zwei Kinder wollen nach Hause gebracht, ein Rechner will in den BOGEN verfrachtet werden (altes ausgemustertes Gerät), ja auch der BOGEN hat jetzt einen Internetzugang, Gerd sei Dank . Nachmittags dann, es hat sich inzwischen wunderbar sauerländisch eingeregnet, die Enge im blauen Zelt steigt von Minute zu Minute, immer mehr Interessierte und dann Fließbandarbeit, dabei wirklich gute Stimmung, viele Fragen, man gewöhnt sich daran, dass die Mitbürger echtes Interesse an diesem Projekt haben. Irgendwie sind die Macher auch ein wenig stolz. Spannend jedes neue Gesicht zu erfahren, man entdeckt neue Details und vergleicht, heute direkt zwei Mal hintereinander ein wunderschöner Kiefer. Hört sich vielleicht ein wenig albern an, ist aber trotzdem eine Entdeckung. Bürgermeister Vogel kommt mit einem ganzen Bus voller Arnsberger angefahren und hält kurzen Plausch mit Karl:” Wir sehen uns dann ja noch heute Abend beim Dozentenfest…”"Nein.” Verdutztes Gesicht. “Wir sind nicht eingeladen.”"Natürlich kommen sie…” – Der stadtbekannte Polizist Jürgen Steinberg lässt sich eine Maske nehmen: Nr 110. Geht ja auch nicht anders. Sachen gibt´s.
- 11.08.09 Arnsberg/ BOGEN. Das war ein Tag gestern. Als um zwanzig vor elf Haimos roter Wagen mit den Materialien und Liegen auf den Neumarkt rollt, ist keine Menschenseele zu sehen, nur Steffi Neuhaus kommt gemütlich und freundlich lächelnd den Steinweg heruntergeschlendert. Die Utensilien werden aufgebaut, die Zahl der helfenden Hände wächst sprunghaft an, Manuel, Tristan, die Benkes, plötzlich erscheinen Jungs mit einem Zelt. Man merkt, dass der BOGEN inzwischen ein gut eingespieltes Team ist, KAHOS holt noch Folien beim Baumarkt. Sobald die Betten aufgebaut sind, kommen auch schon die ersten Interessierten, die ersten Ruhrwächter sowieso, die Liegen sind schnell belagert. Viele Fragen, heftige Diskussionen, gute Ratschläge und vor allem gute Stimmung. Das Projekt findet eine wirklich freundliche Aufnahme in Arnsberg, sogar aus anderen Kursen kommen Leute. Ein Polizist steht fasziniert am Rande. Der Platz um die Liegen füllt sich und jeder will zuerst drankommen. Gutgemeinter Vorschlag einer Arnsbergerin: “Verteilen sie doch Nummern, dann weiß jeder, wann er dran ist.” Arztpraxis im Neumarkt-BOGEN. Irgendwann erscheinen dann auch Sarah und ihr Bruder Benedikt Drießen, selten erlebt, dass zwei Geschwister so für sich einstehen, sich gegenseitig helfen und beim Maskenmachen sogar die Hand halten, schönes Erlebnis mit bleibendem Eindruck; fröhlich, höflich und mit kindlicher Lebendigkeit. Pfadfinder aus Münster, Menschen aus allen Stadtteilen und sogar Männer mit Bart trauen sich. Was spielt das Ziepen schon für eine Rolle, wenn man Ruhrwächter werden kann? Auch geschminkten Frauen ist alles egal: “Das kann man auch wiederherstellen, aber wo bekommt man so eine sanfte Gesichtsmassage umsonst?” Zum Mittagessen kommen die Macher erst gegen halb drei. Fünf Uhr wird aufgeräumt, danach im BOGEN geht es weiter, noch mal eben sechs Masken, auch Verena Preikschas ist dabei. Gegen halb zwölf macht man im BOGEN Schluss. Alle sind glücklicherschöpft, falls es das Wort gibt. Nein, das Tagebuch wird erst morgens geschrieben.
- Auch der zweite Tag in Arnsberg ist wunderbar verlaufen: Die Menschen beginnen ihre persönlichen Erlebnisse mit der Ruhr zu erzählen, man könnte Bücher darüber schreiben, Erlebnisse kurz nach dem zweiten Weltkrieg, die Jugendzeit in den fünfziger Jahren, das Ruhrfreibad, geheime Treffs mit Eingeweihten, die berüchtigten sechziger Jahre. Plötzlich erzählen auch die Umstehenden und kommen ins Gespräch. Vorschlag von meiner Seite – vielleicht sollte man eine neue Rubrik einrichten: “Erlebnisse in, an und mit der Ruhr”, das wäre sicher ein spannendes Forum für alle Generationen.
- 24 Masken werden genommen, Steffi, Manuel, Tristan, Kirsten und Karl sind ein eingespieltes Ganzes, das wird immer leichter, die Ruhrwächter wollen gar nicht mehr aufstehen: “Das ist ja wie Urlaub auf Rezept”. Wünsche auf Erweiterung ins Sauerland, nach Duisburg werden laut. Haimo gießt elf Wächter mit Beton aus. (Der arme Pit muss an der Werkbank stehen und schweißt dankenswerter Weise weitere Ständerwerke.) Und dieses Mal eine Mittagspause, aber das angepeilte Restaurant hat Ruhetag, Pech. Die Eckpizzeria ist auch nicht schlecht, essen unter dem Regenschirm. Die Leute drängen sich. Fröhliche Musikanten schlendern den Steinweg hoch, “Arnsberger Stadtmusikanten, ob die wohl auch einen Turm bilden können?” Die anderen Künstler haben Interesse; Yehuda lässt noch einmal das Sommergelee Revue passieren, Credo: “Ihr müsst genau diese Mischung und Kombination der verschiedenen Künste weiter ausbauen.” “Ja das ist unser Ziel.”
- An anderer Stelle wird gefragt, ob man sich zum Sponsoren- und Dozentenfest sieht. “Nein, wir wurden nicht geladen. Frau S. hat uns wohl vergessen. ” Heiteres Schmunzeln in der ganzen Runde, derweil kommt diese aus dem Cafe´. Sachen gibt´s.
- 10.08.09 Arnsberg. Heute schlägt also die Stunde der Wahrheit. Werden interessierte Menschen kommen oder wir von ihnen überrollt? Gestern haben sich per E-mail so viele angemeldet —bin gespannt. —Manchmal passiert es schon einmal, dass ein Name falsch geschrieben wird, in der Hitze des Gefechtes generiert sich dann aus einem Ebert ein Ernst. Markus und Kirsten, keine Sorge, ist schon korrigiert…
- 08.08.09 BOGEN/Arnsberg. Wo ist denn jetzt schon wieder der Zettel mit den Namen hin? Hatte eben noch alles zusammengesucht und nun muss gerade dieser Zettel wieder weg sein. Müssen die Namen der letzten Teilnehmer eben noch etwas auf das online Stellen warten. Das Umweltbüro. Pütter, Hammerschmidt und Dr.Scheja. Dann noch Markus Ernst, aber ich habe die anderen Daten nicht, wo geboren, wo verwöhnt?- Eben im Vorbeifahren sehe ich Verena Preikschas in Neheim herumkurven, nach einem Jahr in den USA nun wieder in der Heimat. “Ja klar, Montag komme ich zum Eingipsen, finde ich toll.” Scheinen doch so einige mitmachen zu wollen. GP heute: “Da solltest du lieber 400 Köpfe einplanen…” – Gestern die wunderbaume Abendstimmung in Arnsberg eingefangen. Aber nicht nur die Kastanie konnte Punkten, auch das Konzert, leider habe ich den Mondscheinwerfer verpasst, da saß man bei einem Glas alkoholfreiem Weizen im Biergarten Zum alten Schloss. Handfeste Bedienung, sehr freundlich, sehr gesprächig, wunderbare Aussicht und schnelle Bedienung, auch dieses Lokal spricht für Arnsbergs Gastfreundlichkeit. – - Nebenbei bemerkt: Entschuldigung Manfred, wollte dir nicht in den Rücken fallen, die Kritik war wirklich konstruktiv gemeint.
- 05.08.09 BOGEN. Unverhofft kommt oft, sagt sich manchmal leicht dahin und dann passiert es wirklich. Eigentlich wollten Manuel und Haimo nur an des ersten Filmprojekt arbeiten und plötzlich ist der BOGEN voll mit Leuten, die Presse spukt herum, hat Wind bekommen und zwei junge Damen schauen scheu um die Ecke, wollen noch eben gegipst werden, alles lässt sich einrichten, natürlich, Frederik Streit und Vicky Neuhaus helfen dann fast schon routiniert und wie selbstverständlich mit und Steffi hat alles fest im Griff. Gut, also die Sachen gepackt und ab in den Keller; es wurde wohl wieder einmal eine lange Nacht. – Heute ein Anruf: “Könnt ihr morgen kurzfristig um halb zwölf zum Gipsen in den BOGEN kommen?” Wie gesagt, unverhofft kommt oft.
- 04.08.09 Arnsberg. Zuweilen kommt die Befürchtung auf, es ginge nur um die Befriedigung von Eitelkeiten. Nach den vielen Gesprächen muss man jedoch davon ausgehen, dass eine Idee viel faszinierender ist, wenn man dieser Idee selber etwas hinzufügen kann. Die Möglichkeit Teil zu werden dieser Idee, die Möglichkeit Teil zu werden eines Kunstwerks, nicht durch passives Ablichtenlassen oder Gemaltwerden. Der Einzelne kann sich aktivieren, kann seinen Teil am Ganzen sicherstellen. Die Erkenntnis des “DU-auch?” verblüfft immer wieder. Einige sehen zunächst den puren Spaßfaktor, auch sie müssen eine halbe Stunde stillhalten, sind für sich von der Welt visuell abgeschlossen und können das Gesicht nicht regen, wenn dann die Maske abgenommen wird, das Gesicht gesäubert ist, kommt bei jedem eine ruhige Nachdenklichkeit zutage. — Die Verortungen faszinieren mich, bin gespannt auf die ersten Versuche, das erste Probelegen der Gesichter, werden die Formen völlig von den Wellen geschluckt? Muss heute sehen, ob das Gedachte auch der Realität entspricht. Im kleinen Kreis erst einmal, fast heimliche Undinenblicke.— An der Ruhr in Arnsberg, unter der Brücke beim Tunnel; vorher durch die Altstadt gelaufen, den Steinweg hoch bis zum Wunderbaum, funktioniert, die Kinder sind begeistert und das erste Mal nass, Sommerfreuden. Einige Bekannte trifft man immer, fast überschwenglich freundlich die Begrüßungen, vor allem Frau Kierst mit ihrem umwerfenden Temperament. Im Compania-Cafe einen guten Milchkaffee genossen, bei Houtermanns über das Umdekorieren gesprochen, die ersten Abbrucharbeiten am Neumarkt verfolgt. Dann die grüne Klappkiste mit den ersten vier Betongesichtern geschultert und an die Ruhr, die Leute bei Neue Arbeit Arnsberg sind sehr hilfsbereit, wollen teilhaben, schauen zu. “Wollt ihr Stiefel haben?” Wir gehen mit Sanadalen ins Nass, Sand und Wellen kann man lecken spüren. Die ersten Masken liegen, Gänsehaut. Das ist viel besser als erhofft. Die Sonne lacht, spielt mit Licht und Schatten auf den Gesichtern, die wirken fast liquide, entrückt, nicht bedrohlich, drücken absolute Ruhe aus. Manuel legt neu aus, probiert verschiedene Situationen, Haimo gibt von der Brücke Anweisungen/Ratschläge, ohne viele Worte, Einverständnis funktioniert auch hier, und fotografiert. Passanten, Fahrradfahrer bleiben stehen, zücken ihre Kameras, Kinder rufen, ziehen ihre Mutter zu uns. In den Gesichtern Staunen, Faszination, Neugier. Wir sind zufrieden und räumen den Ort, die bilder sind gemacht, kein Speicherplatz mehr auf der Kamera und viele neue Eindrücke im Kopf.
- 03.08.09 BOGEN. Kindertag im Bogen, ein ganzer Haufen ballspielender Kinder will maskiert werden, immerhin liegen sie je eine halbe Stunde still. Vorbildlich, stiller als mancher Erwachsener. Stephan Kampwirth lässt sein Gesicht verewigen und Tristan Meinschäfer bringt es auch endlich hinter sich. Kommentar: “Hatte ich mir schlimmer vorgestellt, jetzt würde ich gleich noch einmal dafür liegen.” Manuel sorgt wie immer zwischendurch für richtig starken Kaffee, da kann der Löffel drin stehen. Habe dem Trunk den Ehrentitel “Schwarzes Loch” verpasst, man weiß nie, ob man den Grund irgendwann sehen wird. Wie ist das nur möglich, handelt es sich um ein Wunder? Fragen über Fragen ergeben sich. Zwischendurch Besuch eines Kunstwerkers mit rötlich angelaufenem Hals: “Sagt den Kindern mal, dass sie nichts aus den Fenstern werfen sollen!” So sind Kinder… Ach ja, Nummer 31 ist fertig, das heißt über fünfzehn Prozent.
- 31.07.09 BOGEN. Ein kurzfristig anberaumter Gipstermin bringt weitere vier Masken, sogar drei Gäste aus Canada reisen an. Danach muss der Ausstellungstrakt erst einmal gewischt werden, die Gipsspuren ziehen sich in fast jedes Atelier, außerdem haben wir am 02.08.09 eine Ausstellungseröffnung von Jo Scholar und so kann man einfach nichts präsentieren
- 28.07.09 BOGEN. Steffi, Pit, Kahos und Haimo dürfen mal wieder Hand anlegen, diesmal in Zweierteams schaffen wir immerhin weitere fünf Masken. Darunter mit David Lübke den ersten U-18er. Langsam werden wir routinierter, die Griffe sitzen und man kann sich wunderbar gegenseitig zuspielen. Läuft doch. Wer sagt denn da, wir würden uns verzetteln?
- 27.07.09 BOGEN. Pit Schrage hat neue Ständer für die ”Wächter der Ruhe – Wächter der Ruhr” entworfen. Ein Bewährungsstahl dient als Befestigung im Boden, darauf kommt eine in das Gesicht eingegossene Hülse, die mit einem Splint fixiert werden soll. Einfaches und fast schon geniales System. Hoffentlich schafft er es bis zum Kunstsommer genügend Ständer zu schweißen. Im Pressegespräch werden die letzten Klarheiten beseitigt. Nein, Achim, nicht alle Sachen gehören in die Zeitung. Hatte ich schon erwähnt, dass Kahos eine geschlagene Stunde zu spät gekommen ist? (Habt ihr schon angefangen?) War wohl zu früh am Tage – gegen 16.00 Uhr?
- 26.07.09: BOGEN. Abends kommen Ernst Konrad und KAHOS unter Gips, Spannend dabei vor allem, ob Karls Bart kleben bleibt. Aber Manuel sorgt mit viel Melkfett für eine haftungsfreien Abnahme. Andererseits hätte es sicherlich auch ganz nett ausgesehen, wenn KAHOS die nächsten Wochen bartlos wäre. Rembert Hieronymus und Christian Kampwirth werden auch gleich noch abgefertigt. Ja, man sollte wirklich ein älteres T-Shirt anziehen, die Gips- und Fettflecken lassen sich sicher nicht so einfach beseitigen. Wahlweise kann sich jeder zwischen Melkfett mit Ringelblütenextrakt (und Geruch) und reiner Vaseline entscheiden. Steffi möchte gerne als 58. verarbeitet werden, wird wohl klar gehen. Kahos: “Wasser ist Ursache der Geburt.” Haimo: “Aus dem Wasser kommen, ins Wasser gehen und mit Wasser leben.”
- 25.07.09: BOGEN. Ganzer Schwung Masken (Nr.4 bis 10) wird abgenommen, wir müssen die Abläufe optimieren, sonst kommen wir mit der Zeit nicht hin, außerdem fatal, wenn einzelne Streifen durch Wassertropfen feucht werden, dann sind sie nicht mehr zu gebrauchen. Immerhin schaffen wir in gut drei Stunden sieben Masken. Nicht schlecht. Auch hier wieder witzige Kommentare, die Situationskomik ist leider nicht wiederzugeben. Da malt sich ein Raucher aus, wie es wäre durch die Nase zu inhalieren, immer wieder mehr oder weniger amüsante Sprüche über das Luftanhalten, wenn denn die Nasenlöcher dichtgemacht werden. (Natürlich werden die auch weiterhin offen gelassen.) Nach dem Gipsen sitzen wir noch bis zum frühen Morgen in Steffis Atelier. Zunächst anfangende Gipser: Steffi, Manuel und Haimo, dann übernehmen auch die Gäste einen Teil der Arbeit und haben Freude an der Sache, “ist schön matschig und irgendwie warm”.
- 23./24.07.09: BOGEN. Abgüsse der Masken von Oliver und Manuel werden herausgeholt. Weiterplanung in Bezug auf Arnsberger Kunstsommer mit Kirsten, Pit, Kahos und Haimo.
- 22.07.09: BOGEN. Aufstellung der Materialliste durch Kahos und Haimo; zweiter Abguss der ersten Masken. Anwesend: Kahos, Manuel, Steffi und Haimo. Wir fassen den Beschluss zum Neheimer Stadtstrand am 14.08.09 auch in Neheim Masken zu nehmen.
- 21.07.09: BOGEN.Die Masken von Manuel, Oliver und Zilly erfolgreich als Betongesichter aus der Form geschält, hatte sie gestern noch nach der Aktion gegossen, direkt Zweitguss von Zillys Gesicht. Jede Einzelheit ist zu erkennen. Ein wenig Stolz muss sein.
- 20.07.09: Neheim im BOGEN. Die ersten drei Masken werden genommen. Alle sind da (die Künstler), wollen sehen, ein gutes Gefühl dieses Team zu haben. Hat sich schon beim Sommergelee gezeigt, dass ein ganz eigenes Gruppengefühl entstanden ist, nicht ausgrenzend, sondern vereinnahmend, jeder kann Teil sein, wenn er oder sie nur will. Immer wieder spannend, dass auch Gäste sehen wollen, was Sache ist. Zilly Terlemis stellt als erste Frau ihr Gesicht zur Verfügung, danach will Manuel Quero und Oliver Bormann lässt sich auch überreden/-rumpeln. Einhelliges Echo: Das ist ein Bisschen wie Wellness – Therapie. Schön, man wird zärtlich gestreichelt und kann die ganze Verantwortung abgeben. Bröker und Laura filmen, gucken, haben ihren Spaß. Sonst anwesend: Gerd Pater, Achim und Dorothea Benke, Leonard Billeke, Thorsten Vlatten, Timo und Carmo. Axel und Rosel schauen sehr kurz um die Ecke.
|
|
Hallo,
)
*lach* – hier (im Video) sieht´s ja aus wie beim “MASH”-Feldlazarett; und das alles in klein auf dem Arnsberger Neumarkt?
Aber ich kann nur bestätigen, dass es sich bei Idee und Realisierung um eine wirklich tolle Aktion handelt: wir waren bereits am 1. Tag dabei und haben uns am Vormittag des 10. Aug. von zarter Hand (zeitweise 4-händig) eingipsen lassen, um demnächst als Nr. 56+59 zusammen mit vielen anderen Betonköppen in aller Ruhe die Ruhr zu bewachen.
Aber auch heute, am 4.Arnsberger Aktionstag, standen wir auf dem Neumarkt, hatten unseren interessierten u. motivierten Feriengast aus dem Osnabrücker Land zwecks Gipsabdruck im Schlepptau und staunten nicht schlecht: dieses nette und stets gut gelaunte RUHRWÄCHTER-Team ist trotz aller Achtsamkeit und Konzentration mittlerweile unnachahmlich schnell geworden und arbeitet weiterhin sehr professionell.
An deren Stelle hätte ich bestimmt schon “Rücken”, “Kreislauf” oder ähnliche Wehwehchen!
Tschüssi, macht weiter so – ich bin dann mal weg…,
lg, Stella49
PS: Aufruf an alle (internetfähigen) Arnsberger/Innen, die dieses lesen: unterstützen Sie bitte die Initiatoren bei dieser tolle Aktion!
Höchstwahrscheinlich wurden keine Nummern doppelt vergeben:
Manche Leute wurden versehentlich zwei mal nacheinander eingegipst-versehentlich, da sie während des eingipsens eingeschlafen sind- dies ist dem Team erst im Nachhinein aufgefallen. Also, was soll man machen- das einzig richtige in solchen Momenten, logisch denken- und der gleichen Person die gleiche Nummer geben alles andere wäre sonst auch komisch.
An Ed: Manchmal wären die Leute gerne eingeschlafen oder liegen geblieben, die wurden aber von den Wartenden sofort freundlich von der Liege geschubst, denn der Anfragen während des Kunstsommers konnten die Gipser kaum Herr werden. Immerhin ist das kleine Problem inzwischen gelöst, da hatten zwei Ruhrwächter versehentlich die gleiche Nummer erhalten. Wenn viele Leute Lust an der Arbeit haben, dann werden auch schon mal zwei Masken gleichzeitig fertig. So ist die zweite (oder erste?) Nummer 48 jetzt an die 171. Stelle versetzt worden.
Hoffentlich wird dies mit der gleichen Nachsicht verziehen wie das gelegentliche Ziepen an echten Männerbärten und genauso echten Frauenhaaren…
Hallo F-Schreiber,
lass doch auch ein paar fliegende Insekten in deine Räume, dann bedankt sich sicherlich der Vogel in der Lederjacke bei dir. Schauen heute vielleicht kurz vorbei, bevor du uns mit dem Fahrrad wieder ausweichen musst. Deine Bildfälscher Nr 70 + 73
Hallo ruhrwächter,auch hier auf kreta bin ich bei euch.neben vielen eindrücken und hitze stell ich mir vor, die lybische see mit ruhrwächter zu bestücken.in 2000 jahren würde dann sicher mancher finder arg ins grübeln kommen.
viele grüsse und weiterhin schön fleissig sein.bin ja bald wieder bei euch.
gruss
pit
wurde grade freundschaftlich auf die schulter geschlagen,muss heissen libysche see.sorry,ist die hitze.
pit
mensch pit,
keine hochgeistigen aktivitäten ausführen. du bist im urlaub!
gp
Und das obwohl libysch gar nichts mit Libellen zu tun hat.
Gerne wäre ich dabei gewesen…an der Klosterbrücke u. Marienbrücke…. Mal schauen, wer über wen wacht/wächtert. Und wieder gibt es weiteres Interesse von außerhalb. Die Ruhr können wir indes nicht überall verorten…vielleicht aber eine Wertschätzung der eigentlich so selbstverständlichen und ebenso schönen Dinge, die uns umgeben. Danke…Haimo.
“stimmen” ist stimmig.
Am gestrigen Abend an der Kaffee-Theke im BOGEN mit Pit, Steffi und Manuel seinen/dessen (Duden oder B.Denken – wer hilft weiter?) neuen Film via Laptop betrachtet.
Der Clip – knapp 7 Minuten lang – ist richtig gut.
Chapeau, Senor Quero!
Lustig, super, spaßig, rattenscharf, knorke, bombe, granatenstark, dufte, abgefahren…kurz gesagt einfach toll!! Danke für das Sahnehäubchen an einem Montagabend! Und Danke vor allem an Steffi!! Noch weiter viel Spaß beim Masken machen
Bitte die #73 zu der einzelnen #70 an der Marienbrücke am 6.10.09.DANKE